Wenn der Schmerz mit uns spricht - Falkeaprende

Wenn der Schmerz mit uns spricht

wenn der Schmerz

Nein, dieser Artikel ist nicht, was du vielleicht meinst. Keine Analysen über das Warum einer Krankheit oder eines Schmerzes. Es geht nicht darum, die “geheime Sprache des Körpers” zu entdecken. Darüber werden und wurden viele Bücher geschrieben, und darüber wird in manchen, vielleicht esoterischen oder spirituellen Kreisen, auch recht viel gesprochen. Es geht auch nicht um Psychosomatik – auch wenn all das vielleicht auch damit zu tun hat, was ich hier schreiben möchte. Es geht aber um keine Wissenschaft, keine Analyse, keine neue Weisheit oder Entdeckung: es geht um eine persönliche Erfahrung.

Der Schmerz ist, wenn wir ihn annehmen können, ein Weg zu sich selbst. Klingt auch ziemlich esoterisch? – Vielleicht. Oh, ich habe noch gar nicht definiert, was Schmerz eigentlich ist, oder was ich damit meine. Lasst uns mal definieren: Wir haben, auf der einen Seite, den körperlichen Schmerz: Rückenschmerzen, Schmerzen am Knie, am Fuß, im Nacken, in den Gelenken; Magenschmerzen, Kopfschmerzen, Hals … und so weiter. Und dann ist da noch der andere, der seelische Schmerz. Vielleicht, ja vielleicht ist da ja ein Zusammenhang. Aber wie?

Der Schmerz als Weg?

Beginnen wir doch einmal von vorne. Mit meinen persönlichen jüngsten Erfahrungen. Ich dachte immer, dass wir eigentlich keine Schmerzen haben sollten – die Körperlichen meine ich jetzt – , wenn es uns richtig gut geht – emotional. Daraus folgt, dass ich dazu neigte, jeden körperlichen Schmerz zu interpretieren. Es ging sogar so weit, dass ich mich fast schuldig fühlte (!!), dass meine gewissen Rücken- und Nackenschmerzen einfach immer irgendwie da sind. Trotz tiefen Atmens, Yoga, Meditation, Tanz und bewusster Bewegung; trotz der Arbeit an mir selbst, an meinen Kämpfen, Konflikten und Kindheitswunden. Aber nein, sie gehen nicht weg, diese Schmerzen, obwohl es mir doch gut geht und ich mich jetzt wirklich glücklich finde. – Was läuft denn schief? Was sollte ich noch genauer ansehen an meinen Konflikten, meinen Emotionen? Welche kann ich noch nicht sehen? Was verberge ich vor  mir selbst?

Ja, und da saß ich nun so da, auf meinem Sofa, und hörte eine Konferenz von Sergi Torres (auf Spanisch), der uns erzählt, dass Schmerzen eben dazu da sind, uns ins Bewusstsein zu holen. Fühl deinen Schmerz, fühl seine Intensität, fühl den Schmerz im Hier und Jetzt … Kämpfe nicht gegen ihn, warte nicht, dass er vorbeigeht. Lebe ihn einfach, spüre ihn. Und da passierte etwas Interessantes in mir: Ich schloss die Augen und atmete tief in meine Rückenschmerzen hinein. Ich versuchte weder, diese zu entspannen, noch sonst etwas zu analysieren. Ich versuchte sie einfach zu fühlen. Ich fühle mich, zwar mit Schmerzen, aber lebendig. Ich hatte das Gefühl, dass es mir gut tat, wenn ich aufhörte, von mir zu verlangen, keinen Schmerz zu haben. Und jetzt kommt das Interessanteste: Am Abend besuchte ich eine Freundin, und im Gespräch erzählte ich ihr von dieser Erfahrung des “bewußten Schmerzes”. Und siehe da, plötzlich bemerkte ich, dass der Schmerz gar nicht mehr da war! Er war wirklich weg an jenem Abend.

Jetzt fragt ihr euch sicher, ob er denn am nächsten Tag auch noch weg war. – Tja, nein. Da ist er wieder, in verschiedenen Facetten. Er kommt und geht, so wie eben alles im Leben. Und ja, ich spreche nicht von Wundern hier, – es gibt plötzliche Schmerzen, die nicht so leicht weggehen. Aber ich spreche ja hier nicht davon, dass und wie Schmerzen weggehen. Ich spreche von bewusstem Fühlen dessen, was gerade im Körper vor sich geht. Und hiermit komme ich zum zweiten Teil, den seelischen Schmerzen.

In den Schmerz “hineinhören” lernen.

Es gibt Dinge, die tun immer noch weh. Aber das wissen wir eigentlich nicht, bis wir plötzlich mitten in einem Konflikt mit unserem Partner oder Arbeitskollegen, mit Schwester, Bruder, Mutter oder Vater – oder was weiß ich mit wem – stecken. Oder bis wir uns wieder in einer Situation befinden, die sich ewig zu wiederholen scheint. Plötzlich fühlen wir uns zutiefst verletzt, wirklich wütend, enttäuscht, verzweifelt oder unglücklich. – Was ist passiert?

Die erste Reaktion ist natürlich, dass wir den Anderen dafür beschuldigen. Das ist das Einfachste, denn dann müssen wir nicht in uns hineinhören. Täten wir das, also ich meine, würden wir einfach annehmen, dass der Andere uns weh getan oder verärgert, genervt oder enttäuscht hat – denn jetzt können wir etwas über unser Inneres erfahren -, dann würde ganz etwas Anderes mit uns geschehen. Erst mal, der große seelische Schmerz, der dem zugrunde liegt, würde uns bewußt werden. Das auszuhalten, durchzuatmen, dem standzuhalten ist nicht einfach. Aber es bringt uns nicht um, uns aufs Bett zu legen und zu weinen, zu toben, zu schreien, oder zu tun, wozu immer uns unser Innerstes uns bewegt. Hier haben wir nun das parallele Bild zum Körperschmerz: fühlen, einfach mal nur fühlen. Und sehen was passiert. Ohne zu warten, dass es weggeht. Ohne dagegen zu kämpfen. Ohne Pille, ohne es zu ersäufen, ohne davor zu fliehen. Einfach innehalten, fühlen und “hineinhören”. Zusammenbrechen, wenn es sein will, sich fallen lassen in dieses Gefühl der Verzweiflung oder der Wut, oder was immer das Gefühl ist, das sich hinter dem Schmerz versteckt.

Experte seines Inneren werden

Wenn sich ein Konflikt in unserem Leben ergibt, haben wir die Gelegenheit, uns in Experten unseres Inneren zu verwandeln. In Spezialisten unseres Bewussten Seins. Was danach kommt, kann ich euch nicht erzählen, denn das ist eben das, was man nicht weiß. Es bleibt ein verborgenes Geheimnis, bis man ans Ende dieser Wanderung gelangt.

Ans Ende? Sorry, eigentlich gibt es nicht wirklich ein Ende. Wir leben ständige Veränderungen im bewussten Leben. Nichts bleibt, nichts ist ewig, alles ändert und verändert sich. Wie ein typisches Aprilwetter, so ist auch unser Sein. Aber das können wir erst wirklich erleben, wenn wir dies nicht als launisch verurteilen. Launisch sein ist ein manipulatives Verhalten einer Person mit dem Ziel, andere damit zu beeinflussen. Hier aber geht es um ein ganz persönliches inneres Fühlen. Es ist ein sehr intimes Gespräch mit sich selbst, das, je öfter wir es haben können, uns die buntesten Facetten unseres Lebens und unseres Daseins zeigen kann. Das alles ist die Schönheit, die hinter der Akzeptanz des Schmerzes steckt. Die colaterale Schönheit – “Colateral Beauty”, so wie auch der Film mit Will Smith sich nennt.

Wenn der Schmerz nachlässt – was für ein wunderbares Gefühl!

Wenn der Schmerz sich verwandelt – welch zauberhafte, neu erlebte Erfahrungen!

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